Seit April neue Tarife
Strompreise über dynamische Netzentgelte senken: Wie Haushalte profitieren können
- Veröffentlicht: 04.04.2025
- 13:38 Uhr
- Michael Reimers
Seit April müssen Betreiber von Energienetzen in Deutschland dynamische Netzentgelte anbieten. Mit dieser zeitabhängigen Steuerung können die Stromkosten für Privatkunden sinken. Nicht für alle Haushalte trifft das jedoch zu.
Die Netzentgelte sind die Gebühren für das Transportieren und Verteilen des Stroms. Sie machen in Deutschland etwa ein Viertel der Stromkosten aus. Bisher galt dafür ein Festpreis. Ab 1. April 2025 müssen die Netzbetreiber zusätzlich auch dynamische Netzentgelte anbieten, einen flexiblen Preis.
Durch die neue Regelung sinken die Netzentgelte, wenn besonders viel Strom im Netz vorhanden ist. Das bedeute, die Gebühren für die varibale Nutzung des Stromnetzes orientieren sich an der Netzauslastung und sollen es attraktiver machen, Strom außerhalb der Stoßzeiten zu verbrauchen, meldet "zdf.de".
Flexible Tarife abhängig vom eigenen Netzbetreiber
Ob die Preise für Netzentgelte ab sofort höher oder niedriger sind, hänge stark vom Netzbetreiber ab, zitiert der Bericht Henning Herbst, Strommarkt-Experte vom Verbraucherzentrale Bundesverband: "Wer die dynamischen Netzentgelte nutzen wolle, sollte sich beim Netzbetreiber über die Tarifstufen und Zeitfenster informieren." Eine gute Übersicht gebe das Branchenportal "Variable Netzentgelte". Der eigene Netzbetreiber lasse sich über die Website "vnbdigital.de" ermitteln, so der Experte.
Um von dynamischen Netzentgelten profitieren zu können, braucht es dem Bericht zufolge zweierlei: steuerbare Verbrauchseinrichtungen und intelligente Strommessgeräte, sogenannte Smart Meter. Ein Smart Meter ist ein intelligentes Messsystem, das die bezogene Stromleistung und den Stromverbrauch in Echtzeit erfassen kann. Das Gerät besteht aus einem digitalen Stromzähler und einer Daten-Schnittstelle, die Daten des digitalen Zählers an den Stromanbieter und Netzbetreiber sendet. Smart Meter verfügen über eine digitale Anzeige und einen Internet-Kabel-Anschluss.
Verbraucher haben ein Recht auf Einbau von Smart Metern
Smart Meter lohnen für Verbraucher:innen, die über einen flexiblen Stromtarif Ladevorgänge und Nutzung elektronischer Geräte steuern. "Es bringt dir nicht viel, wenn du theoretisch nachts weniger Netzentgelte zahlst. Das bringt dir nur was, wenn du automatisch die Ladezeit anpasst", erklärt Merlin Lauenburg, Chef des Ökostromanbieters Tibber im ZDF-Interview.
Für die Energiewende seien Smart Meter und eine Steuerung des Stromverbrauchs essenziell, so Lauenburg: "Wenn wir die Spitzen des Stromverbrauchs morgens und abends nicht besser über den Tag verteilen, gehen wir davon aus, dass wir in Zukunft die vierfache Menge an Erneuerbaren bräuchten."
Deutschland hinkt bei Versorgung mit Smart Metern hinterher
Allerdings seien hierzulande erst zwei Prozent aller Stromzähler smart. Damit liege Deutschland im europäischen Vergleich weit zurück. In Schweden und Spanien verfüge bereits jeder Haushalt über einen Smart Meter.
Strommarkt-Experte Herbst weist darauf hin, dass auch in Deutschland alle Privathaushalte seit diesem Jahr das Recht auf den Einbau eines Smart Meters haben. Auf Anfrage müssten Messstellenbetreiber das Gerät innerhalb von vier Monaten installieren. "Für Haushalte mit E-Ladesäule und Wärmepumpe könnten die Ersparnisse größer sein als die Gebühr für den Smart Meter", so Herbst.
- Verwendete Quellen:
- ZDF.de: "Zeitvariable Netzentgelte: Für wen Strom jetzt billiger werden kann"
- vnbdigital.de: "Wer ist mein Verteilnetzbetreiber?"
- Portal "Variable Netzentgelte"
- Bundesnetzagentur.de: Netzentgelt